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Home > Werke > 2004Marienvesper > Entstehung Marienvesper
– Wir schreiben Ende 1608. Claudio Monteverdi ist am
Hof von Mantua angestellt. Ende November erhält
er einen Brief aus Mantua mit dem
Befehl, unverzüglich an die Arbeit zurückzukehren. Er nimmt
all seinen Mut
zusammen und schreibt zurück. „...Ich aber sage, dass, wenn ich
mich von den
Strapazen des Musiktheaters nicht erhole, mein Leben sicherlich kurz
sein
wird, denn ich habe mir derartige Kopfschmerzen und einen so starken
und
bösartigen Juckreiz an der Hüfte zugezogen, dass kein noch so
starkes
Medikament Linderung verschaffen kann...“. Weiter beklagt er sich
über die
unerfreuliche Situation am Hof, über mangelnde Anerkennung und
schlechte
Besoldung. Unter anderem schreibt
er, dass ihm die Ehre, 1595 als
Musiker am Feldzug des Herzogs in Ungarn teilnehmen zu dürfen,
Kosten gebracht
habe, die er selbst zu tragen habe und seinen Haushalt immer noch
belasteten.
Die Gunst, 1599 im Gefolge des Herzogs nach Flandern zu reisen, habe es
damals
mitgebracht, dass er als Frischvermählter seine Frau Claudia zu
Hause habe
lassen müssen. Ausserdem habe er die Ehre, für die
Fürstenhochzeit den „Orfeo“
zu schreiben, mit seiner Gesundheit bezahlt, ohne von „Ihrer Erlaucht
eine
öffentliche Gunstbezeugung zu erhalten“. Er hat zwar ein
besonderes Gewand für
die Feierlichkeiten bekommen, aber selber für teures Geld noch
Accessoires dazu
kaufen müssen. Als Claudia stirbt, verspricht der Herzog, ihr
Gehalt weiterhin
auszuzahlen; es bleibt aber wie so oft bei leeren Worten. Die Liste der
Unzufriedenheiten ist lang geworden, der
Schmerz Monteverdis über die letzten 19 Jahre Dienst in Mantua
gross. Er bittet
um eine ehrenvolle Entlassung, „...denn mir scheint, das ist das Beste
von
Allem, weil ich dann Luft, Arbeit und Schicksal verändern kann und
im
schlimmsten Fall so arm bleibe wie ich jetzt bin.“ Der Herzog lenkt nicht
ein, lässt sich jedoch erweichen und
bietet ihm ein höheres Gehalt an. Monteverdi bleibt noch bis im
September 1609
in Cremona und kehrt dann an den Hof von Mantua zurück. Er schaut
sich aber
nach einer neuen Anstellung um. Im Herbst 1610 reist er
nach Rom. Im Gepäck führt er die
Marienvesper mit. Sie ist dem amtierenden Papst Paul V. gewidmet. Er
möchte
ihm das Werk persönlich übergeben und dabei seine Dienste
anbieten. Aber er
kehrt erfolglos heim. Etwas mehr als ein Jahr
später, im Februar 1612 stirbt
Vincenzo Gonzaga. Er hinterlässt seinem Bruder Francesco das
zerrüttete und
hochverschuldete Herzogtum. Dieser versucht Ordnung ins Staatswesen zu
bringen
und im Zuge seiner Sparmassnahmen entlässt er Monteverdi im Juli
aus dem
Hofdienst. Der arbeitslose
Monteverdi lässt sich einmal mehr bei seinem
Vater in Cremona nieder. Und nun geschieht das Unerwartete, das sein
Leben von
Grund auf verändern wird: In Venedig stirbt im Juli 1613 der
Kapellmeister von
San Marco. Monteverdi meldet sich und es kommt zu einem
Probegottesdienst, in
dem er Teile aus der Marienvesper aufführt. Aus Zeitnot verwendet
er die ‚alte’
Komposition, die ihm vor drei Jahren keinen Erfolg gebracht hat. Der
19. August
1613 ist nun der Wendepunkt: „Die Hochwohlgeborenen
Prokuratoren haben in ihrem Willen,
einen neuen Kapellmeister für den Markusdom zu wählen, an den
Hochwohlgeborenen
Gesandten in Rom, an alle Hochwohlgeborenen Regenten der Terra Ferma
und an
die in Mailand und Mantua wohnhaften venezianischen Bürger
geschrieben, um Auskünfte
über Personen zu erhalten, die für dieses Amt qualifiziert
wären. Aus den
Antworten ist hervorgegangen, dass die Person des höchst
ehrenwerten Herrn
Claudio Monteverdi als erstrangiger Kandidat empfohlen wird. Die
Prokuratoren
haben die hohe Meinung von seinem Wert und seinen Qualitäten
bestätigt
gefunden, sowohl in den von ihm gedruckten Werken wie auch in
denjenigen,
welche sie in den letzten Tagen zu ihrer vollsten Zufriedenheit in der
Kirche
von San Marco von den hiesigen Musikern zu Gehör bekamen. Deshalb
haben sie in
einstimmiger Wahl beschlossen, dass der genannte höchst ehrenwerte
Herr Claudio
Monteverdi Kapellmeister von San Marco werde mit einem Jahresgehalt von
300
Scudi und den üblichen und gewohnten Zuwendungen.“ |
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©opyleft Monday 16. Dec 2002, 12:00, by Daniel Schönenberger <dsbg@laudate.ch>
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