Die Schoepfung

 

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Die Schöpfung
portrait haydn

Die Schöpfung:

Formvollendet komponiert.
Musikalisch vielfältig, überraschend, ausdrucksstark.
Raffiniert, aber klar und verständlich.
Tief religiös, aber völlig undogmatisch.

Ein reifes Meisterwerk von Josef Haydn.
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...warum Haydn die Schöpfung schrieb
...was an dieser Komposition faszinierend ist
...wie das Werk von den Zeitgenossen aufgenommen wurde

Geschichtliches

Eigentlich beginnt die Entstehungsgeschichte der ,Schöpfung' lange vor Haydn: Ein unbekannter Engländer (es wird vermutet, sein Name sei Lidley) hatte ungefähr Mitte des 18. Jahrhunderts eine Textvorlage (Libretto) für ein Oratorium verfasst, welche sich auf das Epos "Paradise lost" von John Milton (1608-1674) stützte. Diese Textvorlage wurde Georg Friedrich Händel (1685-1759) vorgelegt. Händel weigerte sich aber - aus welchen Gründen auch immer - das Oratorium zu komponieren.

Joseph Haydn reiste anfangs der 1790er Jahre zweimal nach London, und zwar auf Einladung des Geigers und Konzertveranstalters Johann Peter Salomon. Anlässlich der Händel-Gedenkfeier (1791) erlebte er die monumentalen Aufführungen von Händels Oratorien mit über 800 Mitwirkenden und war begeistert von der gewaltiger Klangwirkung. Sein Wunsch wurde stärker, gross angelegte Vokalwerke zu komponieren.
So war es nur natürlich, dass er später (bei der zweiten London-Reise) positiv auf den Vorschlag von Salomon reagierte, ein Oratorium auf der Grundlage des ,Schöpfungs' -Librettos zu komponieren. Er nahm das Libretto nach Wien und übergab es Baron Gottfried van Swieten, Präfekt an der Kaiserlichen Hofbibliothek in Wien und Geschäftsführer einer Gesellschaft hochadliger Musikliebhaber ("Associrten Herrn Cavaliers"). Van Swieten übersetzte das Libretto ins Deutsche, wobei er manche eigene Gedanken und Vorstellungen (Gedankengut der Freimaurer Loge) einfliessen liess. Van Swieten resp. die "Associrten" beauftragten Haydn mit der Komposition; sie sicherten ihm die Aufführungskosten zu sowie ein - für damalige Verhältnisse exorbitantes - Honorar von 500 Gulden.

Haydn begann die Komposition 1796 und arbeitete zwei Jahre daran. Er war sich der Grösse des Stoffes bewusst und ging die Komposition mit äusserster Sorgfalt und Gottesfurcht an. Von keinem seiner zahlreichen Werke gibt es mehr Skizzen als von der Schöpfung, was zeigt, mit welcher Zähigkeit er mit der Komposition gerungen hatte. "Nie war ich so fromm als bei der Komposition der Schöpfung. Täglich fiel ich auf die Knie und bat Gott, dass er mich stärke für mein Werke."

Am 30. April 1798 wurde die Schöpfung unter der Ägide der "Associrten" im privaten Rahmen uraufgeführt. Der Erfolg war so überwältigend, dass bereits am 7. und am 10. Mai Wiederholungen folgten. Am 19. März 1799 erfolgte die erste öffentliche Aufführung im Burgtheater Wien mit einem Riesenorchester von 180 Musikern.
In den folgenden Jahren trat die Komposition ihren Triumphzug durch die Städte Europas an; Haydn selbst dirigierte viele dieser Aufführungen persönlich.

Am 7. Dezember 2003 wird die Schöpfung vom Laudate Chor unter der Leitung von Michael Gohl in der berühmten Ref. Kirche Zürich Altstetten aufgeführt - erstmals im Rahmen einer halbszenischen Darstellung.

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Bedeutung als Kunstwerk

Die "Schöpfung" ist - wie auch die "Jahreszeiten" - das reife Spätwerk eines Komponisten, der seine lebenslange Erfahrung zusammenfasst und etwas Neues, Zukunftsweisendes, "Modernes" schafft: Das Oratorium als persönliches Gesamtkunstwerk. Eine Musik, welche den gelehrten, in Selbstwiederholungen schwelgenden Typus des traditionellen Oratoriums überwindet, alle, virtuosen Verschnörkelungen' abstreift und sich ganz auf das ,Wesentliche' konzentriert: Auf grösstmögliche Ausdruckskraft.
"...charakteristisch und einprägsam in den Melodien, ...von hohem Reiz in der Behandlung der Klangfarben und von grosser Spannweite in Modulation und tonalem Aufbau. Das Orchester mit reicher Bläserbesetzung bietet in verblüffender Vielfalt unterschiedliche, damals völlig neue Klangmischungen.
(...)
Über das herkömmliche Oratorienschema greift auch die Behandlung des Chores hinaus. Sie ist flexibler, "moderner" geworden. Der Chor bewegt sich bald rezitativisch (...), bald verhalten psalmodierend (...), bald im ausladenden Tutti als mächtige Klangsäule und bald im Kontrapunkt von Fugen und Doppelfugen. Der Chor reagiert auf die Erfordernisse des Textes, am deutlichsten in den ebenso einfachen wie feingliedrigen Passagen, in denen solistische Passagen, Ensemble und Chor zusammentreffen." (Konstantin Keiser)

Wie kein anderer beherrscht Haydn die Kunst, mit einfachen musikalischen Mitteln Szenen, Stimmungen und Charaktere auszudrücken. Die Darstellung von Szenen wie ,das Chaos' (Orchester-Einleitung) oder ,es werde Licht' kann nachgerade als genial bezeichnet werden. Haydn vermittelt hier weitaus mehr als blosse ,Bilder': er zaubert Stimmungen und Empfindungen hervor, welche das Gewaltige der Schöpfung erahnen lassen - ohne jemals ins Pathetische oder gar Schwülstige abzugleiten.
Geistreich und einprägsam charakterisiert Haydn die Tierwelt und die Naturgewalten; die Schöpfungsgeschichte wird hier nicht bloss vom Sänger, erzählt', sondern auf unterhaltsame Weise vom Orchester geschildert, in Musik, übersetzt'.

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Zum Erfolg der Schöpfung bei den Zeitgenossen

Das Oratorium "Die Schöpfung" darf wohl als eines der erfolgreichsten Werke in der Geschichte der klassischen Musik bezeichnet werden. Bereits die Uraufführung,am 30. April 1798 im Palais Schwarzenberg in Wien, zu welcher nur geladene Gäste Zutritt hatten, war ein spektakulärer Triumph und musste eine Woche später noch zweimal wiederholt werden. Sensationell der Publikums-Ansturm bei den ersten öffentlichen Aufführungen 1799 im Burgtheater Wien, sensationell die einhellige Begeisterung des Publikums in den europäischen Kulturzentren (Wien, London, Paris, usw.). Einige zeitgenössische Stimmen zur Schöpfung:

Der Neue Teutsche Merkur 1798: "Die Musik hat eine Kraft der Darstellung, welche alle Vorstellung übertrifft; man wird hingerissen, sieht der Elemente Sturm, sieht es Licht werden, die gefallenen Geister tief in den Abgrund sinken, zittert beym Rollen des Donners, stimmt mit in den Feyergesang der himmlischen Bewohner. Die Sonne steigt, der Vögel frohes Lob begrüsst die steigende; der Pflanzen Grün entkeimt dem Boden, es rieselt silbern der kühle Bach, und vom Meersgrund auf schäumender Woge wälzt sich Leviathan empor. (...)"

Josef Richter ("Eipeldauer-Briefe"): "Die Täg, Herr Vetter, haben wir z'Wien ein anders Spektakel ghabt, und über das Spektakl hat unsre schöne Welt sogar den Durchmarsch der Russen vergessen. Da hat der berühmte Hayden die Erschaffung der Welt in der Musik aufgeführt [...] ich werd auch in meim Leben kein so schöne Musik mehr hören... ich bin noch nie so vergnügt ausm Theater fortgegangen und hab auch die ganze Nacht von der Erschaffung der Welt tramt."

Verlagsanzeige Breitkopf&Härtel, 1801: "Wir glauben nicht zu irren, wenn wir einen Hauptgrund dieses allgemeinen Interesse an jendem Werke, ausser seinem reinen Kunstwerth, darin finden, dass es...das Hohe und Tiefe der Tonkunst so glücklich mit dem Populären und Gefälligen verbindet."

Thomas Seedorf 2002 (Textheft zur CD): "Der überwältigende Eindruck der Schöpfung auf die Zeitgenossen verweist auf eine von diesen als ganz neu empfundene und im wahrsten Wortsinne unerhörte Qualität. Diese Oratorium war kein unterhaltsames und beifallheischendes ,Spektakel'...sondern ein Kunstwerk, das auch als solches verstanden werden wollte."

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Impressum

©opyleft Monday 16. Dec 2002, 12:00, by Daniel Schönenberger <dsbg@laudate.ch>
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